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Kees Barten - Malen als meditativer Prozeß Der in der Nähe von
Maastricht lebende niederländische Künstler Kees Barten (Jahrgang
1953), der an der Akademie voor Beeldende Vorming in Tilburg Kunst und
Kunstgeschichte studierte, erschafft in wochen-, teils monatelangen Prozessen
in sich ruhende Bilder, die ihre Ausstrahlungskraft einer besonderen Patina
verdanken, die durch das Auftragen von häufig mehr als einhundert
dünnen Farbschichten entsteht. Die verwendete Ölfarbe ist dabei
so weit verdünnt, dass eine einzelne Farbschicht so gut wie keine
Spuren auf der Bildoberfläche hinterläßt. Erst durch die
hohe Anzahl der Farbaufträge entstehen Bilder, die sich durch eine
besondere, faszinierende Farbtiefe auszeichnen. Betrachtet man die häufig
monochromen Bilder, so erkennt man die Vielschichtigkeit und Tiefe einer
Malerei, die etwas Besonderes beinhaltet. Die Düsternis und Tiefe
ihrer Oberflächen fängt den Betrachter immer wieder aufs Neue
ein, einen Halt findet das Auge des Betrachters lediglich auf einigen
Bildern durch vertikale Linien oder angedeutete Kreuzformen, die aber
nicht als Hinweis auf abstrahierte Formelemente zu verstehen sind, sondern
einzig der Rhythmisierung der Fläche dienen. Doch womit kann die
Faszination beschrieben werden, die mit den einzelnen Arbeiten verbunden
ist? Hauptsächlich liegt dies am Entstehungsprozeß der Werke.
Auf dem ersten Blick sieht es so aus als wären die monochromen Gemälde,
die sich oft nur aus einer einzelnen dunklen Farbe zusammensetzen, schnell
fertiggestellt. Nichts trifft aber weniger zu. Der Fertigstellung eines
Werkes geht ein lang andauernder Prozeß voraus. Jedes von Kees Barten
geschaffene Werk besteht aus 100 bis 150 verschiedenen Farbschichten.
"Dadurch baut sich ein Gemälde selbst auf. Durch Fehler und
Irrtümer wird es organischer und gibt einem die Idee einer Haut." Andreas Beumers (Galerist/Sammler)
WEGE ZUM BETRACHTER Die Schublade ist schon geöffnet
und trägt die Aufschrift: "Post-painterly Abstraction".
Auf den ersten Blick erfüllen die Arbeiten von Kees Barten eine ganze
Reihe von ästhetischen Kriterien dieser Kunstströmung der ausgehenden
Fünfziger Jahre: Ihre Protagonsten Clifford Still. Barnett Newmann.
Mark Rothko. Ad Reinhart, Yves (le Monochrome) Klein u.a. misstrauen der
expressiven Geste, die in ihrer radikalen Subjektivität das Kunstwerk
degradiert, indem sie es zu einem Tableau von Psychogrammen macht.
Wie man sieht, finden sich viele schöne Instrumente in der geöffneten Schublade mit deren Hilfe sich das Werk unseres Künstlers vorzüglich bearbeiten, würdigen und kritisiern liesse. Leider auch unvermeidlich ein kleines Kärtchen mit dem Hinweis: "unzeitgemäss!" Eine Rückbesinnung auf die
Kunstgeschichte ist natürlich legitim, doch wenn man der Arbeit Bartens
tatsächlich gerecht werden will, ist es nicht sinnvoll, ausschliesslich
nach Vorbildern einzelner Aspekte seines Werkes zu suchen. Interessanter
scheint mir die Frage zu sein, welcher versteckten Dramaturgie die Veränderungen
seiner Bilder vom Ende der achtziger Jahre bis Heute folgen. 1988 verwendet Barten enkaustische,
das heisst durch Wachs bebunden Farben zur Fertigung monochromer Farbtafeln.
Die unterschiedlich starke Eintrübung der Pigmente aufgrund der Eigenschaften
des Trägerstoffes Wachs und die damit verbundenen Hell-Dunkel- Effekte
sind Grundlage der Kompositionen. Spielerisch in einem ursprüngliche
Sinn ist dabei der gestalterische Akt - das gleichmässige und ziellose
Hin und Her der Pinselbewegung. Ungerichtet und absichtslos, so belegt
es am sinnfälligsten das zufällige Durchpausen des Keilrahmenkreuzes,
wird Bewegung zur Selbstbewegung und damit zu einem 'Phänomen des
Überschusses, der Selbstdarstellung des Lebendigen' (H.G.Gadamer
1977) Eine neue Qualität gewinnen
Bartens Arbeiten der nun folgenden drei Jahren. Der Künstler teilt
die Bildfläche in 2, 4, oder 6 Quadrate oder Rechtecke gleicher Grösse
und verwendet erdige, mit Weiss oder Schwarz abgemischte Farben. Barten folgt dem nun eingeschlagenen
Weg und verstärkt die Autonomie der Bildzeichen, in dem er sie aus
geometrischen Flächenbezügen befreit. Kreuze kommentieren nicht
mehr die Rahmenkonstruktion des Bildträgers und Rechtecke bezeichnen
nicht mehr Teilflächen des Bildganzen. Sie gewinnen nun -als gestaltete
Formen- den Charakter von Ideogrammen. Martin Langenberg
Kohlrabenschwarze Felder "Unter Tage" welche Assoziationen werden gerade diese Bilder einer Ausstellung wecken in einer Region, die in Kürze eine ihrer letzten Zechen schließen wird? Aber der Künstler Kees Barten weiß, worauf er sich einläßt, stammt er doch selbst aus der niederländischen Bergarbeiterstadt Geleen, deren Zeche vor ihrer Schließung Ende der 60er Jahre als eine der modernsten und effektivsten Europas galt. "Unter Tage" ist der Titel einer Ausstellung, die der Kunstverein der Region Heinsberg in Zusammenarbeit mit dem Kreismuseum Geilenkirchen organisiert hat. Bis zum 7. Mai wird im Museum an der Vogteistraße allerdings mehr zu sehen sein als eine Hommage an die traurigen geschwärzten Helden aus Kees Bartens Jugendzeit, auch wenn seine puristisch abstrakten, monomanisch "kohlefarbenen" Gemälde diese Deutungsmöglichkeit nicht ausschließen. Hier soll keineswegs ein gesellschaftspolitisches Bekenntnis abgelegt werden, auch wenn Sympathien da sind. Im Grunde geht es Petrus Kornelis Kees Barten um etwas ganz anderes. Der Niederländer, Jahrgang 1953, der an der Akademie voor Beeldende Vorming in Tilburg Kunst und Kunstgeschichte studierte, fühlt sich den Malern des Abstrakten Expressionismus verpflichtet und dem programmatischen Verdikt von Engagiertheit und politischer Agitation einiger seiner Vertreter. Dennoch meint er: "Malerei ist ein anachronistisches Medium. Sie kann nur von Kunst handeln; für politische Arbeit ist sie zu unbeholfen und machtlos." Wie Barnett Newman, Mark Rothko, Clyfford Still und vor allem Ad Reinhardt verzichtet auch Kees Barten auf gestische Verworrenheit und gelangt zu einer Reduzierung seiner malerischen Mittel. Schon Ad Reinhardt experimentierte in der Absicht, eine absolute, zeitlose über natürliche Kunst zu schaffen, aus der alle Spuren des Gestischen, alle Zeichen des schöpferischen Prozesses und seines künstlerischen Temperamentes getilgt waren; er entfernte konsequent alle Relikte der Bezugsmalerei: bewegungsfähige, organische Gestalten und variierende, lebhafte Farben. Was auf den ersten Blick sichtbar wurde, war ein gleichmäßig dunkles Feld nicht mehr und nicht weniger. Kees Barten versucht, Farbe und
Linien noch entscheidend zu neutralisieren, indem er das Kolorit ins Schwarze
und Braune changieren läßt aus seiner Sicht anonyme, "überpersönliche"
Farben, die sich nur auf ihre eigene Realität beziehen. Denn seine
Gemälde sollen nichts weiter bedeuten und bekunden als "sich
selbst". Diese Vorstellung einer Art malerischen Essenz", einer
"Objektivität", die aus einer selbstverständlichen,
autoreferenziellen Kunst entstehen soll, ist gleichsam Kees Bartens Obsession.
In den niederländischen Ort Berg & Terblijt, eine ländlich
abgeschiedene, "malerische" Umgebung, hat sich der Künstler
zurückgezogen, um sich ganz diesem Traum zu widmen. "Die Annäherung
an das Paradies, das ist für mich Kunst bekennt Kees Barten. In einem
peniblen, langwährenden Prozeß entstehen seine in sich ruhenden
Bilder, die ihre meditative Kraft zuletzt aus ihrer Patina beziehen. Farbschichten
über Farbschichten (oft genug mehr als hundert auf einer Leinwand)
stauen sich wie geologische Formationen, die vordiluvianischen Zeiten
entstammen: an Kohle, Basalt Bernstein, Graphit und Gold erinnern die
gedämpften Töne. Der Vorgang des Farbauftrags ist für Kees
Barten so weit wie nur möglich von der Persönlichkeit des Malers
zu lösen. Er versucht, seinen künstlerisch handwerklichen Beitrag
auf eine nur horizontale und vertikale Bewegung des Pinsels zu reduzieren.
Rituell und andächtig meditativ wird diese Bewegung vollzogen, er
selbst spricht ohne Prätention und Eitelkeit vom monotonen Farbauftrag
des Anstreichers. Die Farbe ist so weit verdünnt, daß eine
einzige Schicht fast keine Spur hinterläßt. Für den Künstler
entsteht dabei eine Ahnung von geronnener Zeit, die ihre eigenen Gesetze
schafft und allmählich eine eigene Ordnung entwickelt, bevor das
Bild seinen Maler "entläßt", weil es sich jeden weiteren
Eingriff in seine Autonomie verbittet. Unter den Schichten verbirgt sich
das Pathos von 2000 Jahren abendländischer Kunstgeschichte. Eine
unvollendete Leinwand kann den Betrachter an Turners Seestücke erinnern
eine andere versetzt ihn allein durch ihr Kolorit, ihre Palette gedämpfter
Ocker und Honigtöne in die Blütezeit niederländischer Stilleben
Malerei. Schlichte Formelemente wie Linien und Kreuze sind die stummen
Zeugen künstlerischer Anwesenheit. Auch wenn das Bild des Kreuzes
kaum noch ohne christliche Ideenverbindung verstanden werden kann, auch
wenn am Ende dieses zweiten Jahrtausends selbst ein schwarzes Viereck
schon eine Figuration, einen Verweis darstellt, sind sie doch nur als
sinnentleerte lkonen zu denken. Die Abstraktion", so sagt Kees Barten,
"ist eine Unmöglichkeit geworden." Obwohl Kees Barten ein
puristischer, leidenschaftslos agierender und um Klarheit bemühter
Künstler ist, erreicht er ob unbeabsichtigt oder nicht manchmal genau
das Gegenteil. Und obwohl der Künstler sich seine "schwarzen"
Gemälde als distanziert und unnahbar denkt, verlockt gerade ihr geheimnisvolles
Dunkel zu "romantischen Stimmungsmomenten", zu Mehrdeutigkeiten
und Assoziationen. Die Düsternis, die Dramatik der Inszenierung scheint
Mysterien anzudeuten, von denen wir noch nichts ahnen. Kreismuseum Geilenkirchen
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